Schreibwelt


Okay, man soll nicht von sich auf andere schließen. Trotzdem: Als ich begonnen habe, mich für Buchveröffentlichungen zu interessieren, habe ich zunächst alles aufgesaugt, was ich darüber erfahren konnte: Ich las also Bücher übers Schreiben, übers Veröffentlichen und vor allem las ich auf den Internetseiten bekannter Autoren wie Andreas Eschbach oder Sebastian Fitzek, aber auch auf den Homepages von erfolgreichen Selfpublishern wie Hanni Münzer. Die Lektüre konnte vieler meiner Fragen beantworten – aber nicht alle. Deshalb will ich versuchen, anderen Neulingen auf dieser Seite weiterzuhelfen. Und zwar in Form von einer Art FAQ. Wer mag, kann es meinem Beruf entsprechend auch als Interview verstehen.


Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Über meinen Beruf, nachzulesen unter Huberths Welt. Als Journalist ist der Weg zum Buchautor nicht allzu weit. Mehr als einen Steinwurf entfernt, aber eben doch in erreichbarer Nähe. Anders als viele andere Selbstpublisher kann ich allerdings nicht von mir behaupten, schon in meiner Kindheit oder Jugend geschrieben zu haben. Erste (grauenvolle, weil autobiografisch geprägte) literarische Versuche wagte ich erst mit Anfang 30. Davor beschränkte ich mich auf einigermaßen witzige Kolumnen in der Tageszeitung. 

 

Was schreiben Sie?

Im Moment etwas, was unter dem Genre "Krimikomödie" läuft. Ich habe es auch mit ernsthaften Kriminalromanen versucht, in Ansätzen mit Thrillern. Klappt aber nicht. Also habe ich mich darauf besonnen, was vielen Lesern meiner Kolumne gefallen hat: der Humor, die überspitzten Beschreibungen und Handlungen. Das mache ich nun in Buchlänge, versetzt mit Spannungselementen.

 

Handelt es sich dabei um Regionalkrimis?

Nein. Die Geschichten spielen zwar im Großraum Freiburg, die Bauernhochzeit etwa im erfundenen Schwarzwalddorf Altingen. Aber im Grunde könnten sie überall passieren. An Regionalkrimis würde ich schon deshalb scheitern, weil ich den Dialekt nicht beherrsche. 

 

 

Warum veröffentlichen Sie nur eBooks als Selbstverleger?

Weil mir das am einfachsten erschien. Ich habe mein Manuskript gar nicht erst bei einem Verlag eingeschickt. Kann sein, dass das feige ist. Aber das Selbstverlegen ist nunmal unkompliziert, ich kann mir frustrierende Absagen und mindestens ebenso frustrierende Warterei ersparen. Im Übrigen glaube ich, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis eBooks und gedruckte Bücher gleichrangig nebeneinander stehen. 

 

Sind eBooks genauso gut wie gedruckte Bücher?

Klar, wenn es dasselbe Buch vom selben Autor ist. Grisham bleibt Grisham, Goethe bleibt Goethe, unabhängig von der Verpackung. Ob ein Buch gut ist oder nicht, bleibt letztlich Geschmacksache. Und der Geschmack der Massen unterscheidet sich offenkundig immer mal wieder von dem der Lektoren und Verlagsmanager. Das Schöne an eBooks ist die kostenlose Leseprobe. Nach der Lektüre weiß jeder, ob es sich lohnt, die aufgerufenen 0,99, 2,99 oder 12,99 Euro zu bezahlen. 

 

Kann jeder schreiben?

Na sicher, zumindest jeder, der das Glück hatte, eine Schule besuchen zu dürfen. Wer nie das Abc gelernt hat, kann immerhin Geschichten erzählen. Tatsache ist: Über den Kindle verkaufen sich auch Bücher gut, deren Qualität nach allen objektiven Maßstäben überschaubar ist. Entscheidend sind jedoch die subjektiven Maßstäbe der Leser. Womit wir wieder bei der Frage des Geschmacks wären. Und deshalb gilt wohl doch: Ja, jeder kann schreiben. Tatsache ist aber auch: Wer viel liest, wird beträchtliche Qualitätsunterschiede erkennen.

 

Was nervt Sie bei Büchern?

Rechtschreibfehler, Logikfehler, langatmige, detaillierte Beschreibungen von Personen, obwohl das für die Geschichte keine Rolle spielt, eine Flut von Adjektiven und Adverbien, öde Erzählungen, die wie ein Schulaufsatz wirken, mich aber nicht in die Geschichte ziehen, Dialoge, die so hölzern klingen wie ein Eichentisch, langweilige Charaktere, aus dem Hut gezauberte Bösewichte, Kommissar Zufall, sprachliche Einöde. Und bestimmt noch vieles mehr.

 

Welche Autoren lesen Sie gern?

Das wechselt. Aber sicherlich eher das, was intellektuelle Menschen als Trivialliteratur bezeichnen. Ich will mich beim Lesen entspannen. Das kann ich verlässlich mit John Grisham und Stephen King, mit Stieg Larsson und Jörg Maurer, mit Martin Suter und Andreas Eschbach. Ebenso mit Simon Kernick und Douglas Kennedy, Harlan Coben, Sebastian Fitzek und (meistens) Charlotte Link. Ich mag die Absurditäten von Christopher Moore ("Die Bibel nach Biff"), die witzigen Stephanie-Plum-Romane von Janet Evanovich. Ich habe Harry Potter verschlungen und mag die Bücher von Philipp Kerr ebenso wie die von Jeff Abott und (größtenteils) die von Frank Schätzing. Einer der besten Krimiautoren ist der meiner Ansicht nach viel zu unbekannte Wolfgang Kaes. Ebenfalls immer einen Kauf wert: Elisabeth Herrmann. Brillant: Don Winslow und Dennis Lehane. Und dann gibt es noch viele andere mehr, die mir jetzt aber nicht einfallen.

 

Wie schreiben Sie?

Am Notebook. Es gibt auch viele Autoren, die von Hand schreiben, bei denen geht am Computer gar nichts. Nicht mein Ding. Es wäre mir zu anstrengend und ich könnte es hinterher sowieso nicht mehr entziffern. Ich nutze das Schreibprogramm Papyrus, das speziell für Autoren entwickelt wurde. Als totaler PC-Vollpfosten nutze ich nur einen Bruchteil der vielfältigen Möglichkeiten, vermutlich würden mir auch Word oder LibreOffice völlig ausreichen. Aber ich stehe halt auf solchen Schnickschnack. Papyrus ist zwar mit aktuell 179 Euro nicht ganz billig, aber es hat wirklich hilfreiche Elemente. Beispielsweise die vergleichsweise gute Duden-Rechtschreibprüfung sowie eine Stilprüfung. Einfach mal reingucken. Generell tut es aber jedes Schreibprogramm. Ansonsten gilt für mich: einfach schreiben. Ich lasse mich von der Geschichte treiben. Wenn ich einen Faden gefunden habe, lasse ich ihn nicht mehr los. Um Korrekturen kann ich mich auch später noch kümmern. Erste Gegenleserin ist meine Frau. Aber erst, wenn die von mir korrigierte Rohfassung steht und nicht etappenweise. Sonst verliere ich nur wieder den Faden.

 

Und wann schreiben Sie?

Das ist mein großes Problem: Ich habe nicht nur, wie die meisten von uns, einen anstrengenden Beruf, sondern meiner ist zudem noch recht nah dran an meinem Hobby, dem Schreiben von Büchern. Ich sitze den ganzen Tag vorm Computer und befasse mich mit Texten. Schreibe entweder selbst oder redigiere, suche nach Überschriften, formuliere Vorspänne – und das alles unter enormem Zeitdruck. Ein Traumjob  – aber wenn ich abends um kurz nach acht heimkomme, ist mein Hirn so leer wie ein ausgetrocknetes Flussbett. Da geht dann gar nichts mehr. Ich habe mir schon vor Monaten vorgenommen, morgens eine Stunde früher aufzustehen. Klappt bisher aber nicht. So schreibe ich also am Wochenende (es sei denn, ich arbeite am Sonntag, was ungefähr zweimal im Monat vorkommt) und im Urlaub. Vor allem im Urlaub.

 

Wie lange brauchen Sie unter diesen Umständen für ein Buch?

Ewig. Bei der Bauernhochzeit sind von der ersten Zeile bis zur Veröffentlichung fast zwei Jahre ins Land gezogen. Die Rohfassung hat sich über gut neun Monate erstreckt, weil ich immer wieder wochenlang gar nichts geschrieben habe. Beim zweiten Buch ging es schneller, die Rohfassung stand nach rund sechs Monaten. Den Großteil habe ich während eines dreiwöchigen Urlaubs im März 2015 verfasst, gut 200 der insgesamt 330 Buchseiten. Wenn ich die Zeit hätte, wäre ich also ziemlich schnell; die Rohfassung eines Leo-Romans würde ich vermutlich innerhalb einiger Wochen hinbekommen. Und das bei Vier-Stunden-Tagen. Ein schöner Traum. Aber die Realität sieht nunmal anders aus.

 

Was raten Sie anderen Jungautoren, die gerne schreiben und veröffentlichen wollen?

Schreiben, schreiben, schreiben. Je mehr man schreibt, desto besser wird man. Und bitte nicht gleich das erste Manuskript veröffentlichen. Wer Jahre später seine ersten Versuche betrachtet, wird im Idealfall belustigt sein. Oder eben, so wie ich, entsetzt. Und bitte: Wer Geld für seine Bücher verlangt, muss sich weiterbilden. Egal, wie gut man ist, man wird nie den Geschmack aller treffen, es wird auch böse Rezensionen geben. Aber sein Handwerk sollte der Autor beherrschen. Schließlich nimmt er Geld dafür. Hilfreiche Bücher und Internetseiten dazu in der Lesewelt.